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Wilde Karde im Winter

Bereiche der Blühflächen müssen ungemäht als Winterquartiere für Insekten stehen bleiben. Die Wilde Karde bietet im Winter zudem Nahrung für Distelfinken.

Für sein Engagement beim Insekten- und Artenschutz auf dem Firmengelände in Fischbachau ist das Bio-Unternehmen Herbaria erneut vom Bayerischen Umweltministerium als „Blühender Betrieb“ ausgezeichnet worden. Das staatliche Prädikat wird für insektenfördernde Maßnahmen vergeben, beispielsweise für die naturnahe Gestaltung der Außenanlagen mit heimischen, insektenfreundlichen Stauden, Hecken und Blumenwiesen. Herbaria erhielt die Auszeichnung zum ersten Mal 2019 und hat sich nun weiterhin verpflichtet, auf seinen Freiflächen Nahrungsquellen und Lebensräume für Insekten zu fördern.

„Der weltweite Verlust der Biodiversität ist neben der Klimakrise die größte Herausforderung der Menschheit im 21. Jahrhundert. Aktuell findet deshalb die Weltnaturkonferenz zur Rettung der Biodiversität auf unserem Planeten im kanadischen Montréal statt. Wir wollen unseren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten, sowohl beim Einkauf unserer Rohstoffe aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft in 41 Ländern weltweit, als auch bei uns am Standort in Oberbayern“, betont Inez Bachmann, die Nachhaltigkeitsmanagement-Beauftragte von Herbaria.

„Vor rund zwanzig Jahren ist das Unternehmen auf das Gelände gezogen. Die Flächen der ehemaligen Baumkuchenfabrik und eines Sägewerks waren stark versiegelt. Die Umgestaltung war von Anfang an im Sinne der Natur – es wurde entsiegelt und begrünt. Heute sind rund 42 Prozent des Herbaria-Firmengeländes unversiegelte Freiflächen mit einer Reihe naturnaher, ökologisch wertvoller Elemente. Sogar viele Wege sind begrünt. Und mitten auf dem Parkplatz begegnet man schon mal einer Königskerze oder Wegwarte, wenn die dort in einer Lücke wachsen will“, erläutert Geschäftsführer Erwin Winkler.

Als Nahrungsquelle für Bienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge, Käfer und viele andere blütenbesuchende Insekten wurden verschiedene kleinere Blühflächen mit Magerwiesen-Charakter und eine 1.135 Quadratmeter große, artenreiche Blühwiese mit einheimischen Wildblumen wie Lichtnelken, Hornklee oder Margeriten angelegt. Unter den Pflanzen sind auch wichtige Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen. Zusätzlich wachsen insektenfreundliche Sträucher wie die früh blühende Kornelkirsche oder Weiden rund um die Gebäude. Sogar eine kleine Streuobstwiese mit alten einheimischen, standortangepassten Apfel- und Zwetschgensorten wurde gepflanzt.

Eine Reihe von Flächen mit offenem, schwach bewachsenem Boden kommen auch vielen Wildbienenarten als Lebensraum für die Fortpflanzung zugute, denn rund 75 % aller einheimischen Wildbienen legen ihre Nester in der Erde an. Überall auf dem Gelände gibt es auch wilde Ecken, die als störungsfreie Rückzugsräume unter anderem für Insekten dienen. Und große Teile der Vegetation werden im Herbst nicht abgeräumt, sondern bleiben als Winterquartiere für die Sechsbeiner stehen. Alle Flächen werden extensiv und schonend gepflegt. Torf, Pestizide und chemisch-synthetische Dünger sind tabu.

Aber nicht nur Insekten profitieren von der naturnahen Gestaltung der Herbaria Außenflächen. So finden Vögel beispielsweise Lebensraum in einheimischen Laubbäumen wie Schwarzerlen, Birken und Weiden sowie Nahrung an Gehölzen wie Vogelbeere, Liguster oder Hundsrose (Hagebutten). An einer Feuchtwiese an einem Bachlauf leben Ringelnattern und zeitweise auch ein Biber.

Blühpakt Bayern

Das Bayerische Umweltministerium verleiht die Auszeichnung “Blühender Betrieb” im Rahmen des „Blühpakts Bayern“ seit Oktober 2018 an Unternehmen, Behörden und soziale Einrichtungen. Insgesamt 80 “Blühende Betriebe” sind bisher vom Umweltministerium für ihr Engagement ausgezeichnet worden (Stand Oktober 2022). Um die staatliche Auszeichnung als „Blühender Betrieb“ zu erhalten, müssen folgende vier Mindestkriterien erfüllt werden: Mindestens 20 % der Freiflächen des Firmengeländes müssen als naturnahe Blühflächen gestaltet sein; Bereiche der Blühflächen bleiben über den Winter ungemäht stehen (Erhalt von Fortpflanzungs- und Überwinterungsstätten für Insekten); kein Einsatz torfhaltiger Substrate bei der Gestaltung und Pflege von Freiflächen; keine flächige Verwendung chemischer Pflanzenschutzmittel. Der Blühpakt Bayern ist Teil der Bayerischen Biodiversitätsstrategie. Ziel ist eine Erholung der Bestände und Vergrößerung der Insektenvielfalt, da die Anzahl der Insekten und ihr Artenreichtum massiv zurückgegangen sind. Der Blühpakt Bayern möchte diesen Trend stoppen und dazu ein breites Bündnis entwickeln.

Biodiversitätskrise weltweit und in Bayern

Bei der Weltnaturkonferenz im kanadischen Montréal vom 7. Bis 19. Dezember 2022 wird ein Abkommen verhandelt, um den dramatischen, weltweiten Schwund von Tieren, Pflanzen und Pilzen sowie die Zerstörung von Wäldern, Meeren und weiteren Lebensräumen aufzuhalten. Auch in Bayern nimmt die Vielfalt an Arten und Lebensräumen ständig ab. Laut bayerischen Roten Listen gelten von 35.000 Tierarten, die in Bayern vorkommen, rund 40 Prozent der untersuchten Arten als ausgestorben, verschollen oder bedroht.

Link zu Herbaria auf der Website Blühpakt Bayern:
https://www.bluehpakt.bayern.de/betriebe/ausgezeichnet/herbaria/index.htm