22.10.2009 – Currywurst - eine deutsche Erfolgsstory


„Wo wurde die Currywurst nun erfunden, Hamburg oder Berlin?“ schnellte mir oft die Frage entgegen. Ich muss zugeben, dass für mich die Frage nach dem Ursprung der Currywurst weder nach Recherchen im Internet noch nach einer fast dreimonatigen Tour geklärt ist. Obwohl es auf der Tour natürlich die verschiedensten Meinungen dazu gab. War es nun Lena Brücker aus Uwe Timms Novelle „Die Entdeckung der Currywurst“ oder doch Herta Heuwer aus Berlin?
Sicher ist jedoch, dass die Currywurst dieses Jahr ihren 60. Geburtstag feiert. Zur Feier dieses wohl „typisch deutschen“ Gerichtes gibt es nun ein Berliner Museum ganz im Sinne der Wurst, und auch Herbaria feiert mit. Oft war es gar nicht so einfach, die Einkäufer zum Probieren zu bewegen. Die Rikscha war zweifellos ein Hingucker und Kundenmagnet, doch so leicht ließen sich die Einkäufer im Biomarkt nicht immer überzeugen. Sie schauten über den Spritzschutz in die Pfannen und rochen an den kleinen Currydöschen, um dann doch bei Currywurst vorerst „Nein, Danke.“ zu sagen. Doch die meisten kehrten doch für eine kleine Probierwurst zurück an den Stand...
Viele mussten aber trotz nach eigenen Angaben erheblichen Currywurstkonsums doch über die Zusammensetzungen von Currys aufgeklärt werden. Bei acht verschiedenen Mischungen konnten dann auch die eingefleischten „Gewürzmischungsgegner“ von einer Probierwurscht überzeugt werden. Und es gab dann meist immer mindestens eine Curry-Sorte die ihnen schmeckte. Auch die erfahreneren Curryesser, also die Kenner des original indischen Currys, waren begeistert. So zum Beispiel bemängelte ein Herr in Berlin, der mir erst erzählte, wie er sich seine eigenen Currys mischt: Durch viele Indienreisen vermisse er nun den „Pfiff“ in den deutschen Gewürzen - bis er dann den Grünen Curry testete und vor Begeisterung noch eine Wurscht und das Gewürz für den Heimgebrauch orderte.
Außerdem lässt sich meiner Erfahrung nach neben der Weißwurscht- auch eine Currywurschtgrenze durch Deutschland zeichnen. Der Norden reagierte euphorischer auf das Currywurst-Angebot – zumindest was das Probieren anging: „Eine Currywurst, vorm Bio-Laden, ich glaub`s nicht: Ich nehm` gleich zwei!“ Aber auch die Bayern waren nicht immer probierfaul. Gerade in kleineren Märkten wurde viel geschnuppert und getestet.
Und doch glaube ich, habe ich so manche „Weißwürschtler“ von der Currywurst überzeugen können. Bei meinem letzten Termin eröffnete mir eine ältere Dame, dass sie bei dieser Gelegenheit das erste Mal in ihrem Leben eine Currywurst essen werde. Sie setzte sich auf eine Bank, aß genüsslich ihre Portion und verschwand zum Einkaufen. Anschließend kam sie mit einer Dose in der Hand aus dem Laden und sagte: „Wissen Sie, die Currywurst hat mir so gut geschmeckt, dass ich mir diese Woche wieder eine machen werde. Und damit´s so richtig schmeckt, nehm´ ich das ganz Scharfe!“
Und so stand ich hinter der Rikscha, hörte wundersame Geschichten, tauschte Rezepte aus, sah begeisterte Gesichter mit dem Currygeschmack auf der Zunge. Traf Leute die sich schnurstracks mit Wurst, Gewürz und Ketchup ausstatteten um Mann, Sohn oder Familie damit zu überraschen. Und bei solch begeisterten Gesichtern hat es sich gelohnt von Stadt zu Stadt zu fahren und die Leute zu fragen, ob sie nicht eine Currywurst mit „acht“ verschiedenen Currys testen wollen!